Isarvorstadt – mehrere Viertel in einem mit viel Verwirrung

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Die Isarvorstadt ist eigentlich kein Stadtviertel, sondern ein zu Beginn des 19. Jhdts künstlich geschaffener Begriff. Er umfasst heute das Glockenbachviertel, das Schlachthofviertel, das Dreimühlenviertel und das Gärtnerplatzviertel. Häufig werden die Etiketten je nach Nützlichkeit auf die einzelnen, zum Verkauf stehenden Immobilien geklebt und es herrscht Verwirrung, wo die einzelnen Viertel beginnen oder enden.

Das Glockenbachviertel wird im Norden begrenzt durch die Lindwurmstraße, im Südwesten durch die Kapuzinerstraße, im Süden durch die Isar und im Nordosten durch die Fraunhoferstraße und nur hier liegt das Glockenbachviertel. Im 15. Jhdt. entstand neben dem damaligen Kalkofen vor den Stadttoren, genau vor dem Sendlinger Tor, eine Gießerei, die alles herstellte, was man zur damaligen Zeit dringend brauchte, vor allem Glocken und Kanonen. Der daneben vorbeifließende Bach wurde Glockenbach genannt. Nur mehr der Name erinnert an ihn, 1960 wurde er, wie die meisten Münchner Stadtbäche vor ihm, an denen gerade die Isarvorstadt reich war, zugeschüttet. Diese Stadtbäche waren Ableitungen der Isar, die teilweise bis nahe ans Stadtzentrum floßbar waren. Letztes Rudiment ist der Westermühlbach, der heute noch, zwar eingezwängt, ein Stück offen fließen darf, bevor er wieder in den Untergrund muss. Dass auch er einst mit Flössen befahren wurde, kann man sich kaum mehr vorstellen. Markante Punkte im Glockenbachviertel sind das Kapuzinerkloster St. Anna und der Alte Südfriedhof, der nach der Choleraepidemie von 1854 aus einem alten Pestfriedhof des 16. Jhdts heraus erweitert wurde. Bestattungen finden dort schon längst nicht mehr statt, er ist heute vielmehr Gedenkstätte an viele berühmte Münchner, die hier ihr Grabmal haben. Wer mehr wissen will: es finden dort Führungen statt und auch in gedruckter Form liegen informative Führer vor.

Die Grenzen des Dreimühlenviertels bilden im Norden die Thalkirchner Straße, im Südwesten die Braunauer Eisenbahnbrücke (über die einst die erste Eisenbahnverbindung nach Österreich führte, heute verbinden die Gleise hauptsächlich Haupt- und Ostbahnhof), im Süden die Isar und im Nordosten die Kapuzinerstraße. In der Gründerzeit siedelten sich hier zahlreiche Industriebetriebe an, von denen fast alle verschwunden sind. Rodenstock verlässt sein Gelände gerade und Wohnungsbau steht an. An die Handschuhfabrik Roeckl erinnern nur noch der danach benannte Platz und ein Verwaltungsgebäude, das gerade beginnt, architektonisch interessant zu werden.

Das Schlachthofviertel wird eingegrenzt durch die Lindwurmstraße im Norden, die Bahnlinie, die hauptsächlich Haupt- und Ostbahnhof verbindet, im Süwesten, die Thalkirchner Straße im Süden und die Kapuzinerstraße im Osten. Aufgrund der Choleraepidemie von 1854 beschloss der Münchner Stadtrat nicht nur Anlage und intensiven Ausbau eines Kanalisationsnetzes und einer zentralen Trinkwasserversorgung, sondern zudem weitreichende weitere Hygienemaßnahmen, in deren Folge in der Gründerzeit der Münchner Schlacht- und Viehhof errichtet wurde.

Allen drei Vierteln war gemein, dass die ursprüngliche Bewohnerstruktur sehr einfach war, Taglöhner, kleine Handwerker und Arbeiter, ähnlich der Au auf der anderen Isarseite. Immer wieder überschwemmte die Isar auch diese Bereiche. Gerade in der Gründerzeit erlebten diese drei Viertel einen regelrechten Bauboom. Es entstanden einfache Arbeiterwohnungen und Zinshäuser. Bis in die 70er Jahre des 20. Jhdts gab es hier noch Häuser, bei denen die Toilette auf halber Treppe lag, es fließendes Wasser nur auf der Etage gab und natürlich keine Bäder in den Wohnungen. Das Tröpferlbad an der Thalkirchner Straße war noch gut besucht.

Anders das Gärtnerplatzviertel, das eingegrenzt wird durch die Blumenstraße und die Frauenstraße im Norden, die Fraunhoferstraße im Südwesten, die Isar im Süden und die Zweibrückenstraße im Nordosten. Es ist das Ergebnis strikter Stadtplanung gegen Ende des 19. Jhdts und ein bisschen sieht man den Ursprung am Reißbrett den heutigen Straßenverläufen noch an. Anders war von Anfang an auch die Bewohnerstruktur. Die Zinshäuser waren für gehobene Ansprüche ausgerichtet, verfügten bereits zu Beginn des 20. Jhdts über Bäder und hatten eine ganz andere Zielgruppe als die einfachen Unterkünfte der anderen drei Viertel. Eines der ersten Kinos der Stadt entstand hier und das „Colosseum“ war eine berühmte Varietébühne, auf der unter anderen Karl Valentin und Liesl Karlstadt auftraten. Nur mehr der Straßenname erinnert noch daran. Heute ist das Gärtnerplatzviertel das Zentrum der schwulen Szene in München, hier findet auch alljährlich der Christopher-Street-Day statt und wird ausgiebig gefeiert.

Die Isarvorstadt insgesamt ist heute ein hippes In-Viertel mit durchwegs hohem Preisniveau für Immobilien, gesucht vom anspruchsvollen Single bis hin zu jungen Familien, die den besser Verdienenden zugerechnet werden können. Lediglich das Schlachthofviertel hinkt der Entwicklung, auch preismäßig, noch etwas hinterher. Hier dürfte sich erst etwas ändern, wenn der Schlachthof verlegt wird, was als Gerücht immer wieder in München herumgeistert.

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